Stark für Land und Stadt

Familienunternehmen im ländlichen Raum tragen entscheidend zum wirtschaftlichen Wohlstand in ihrer Region und zu gleichwertigen Lebensverhältnissen in Stadt und Land bei. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen, die mehr als 70.000 Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern in 215 Landkreisen untersucht hat. 

Demnach sorgen Familienunternehmen in ihrem Umfeld für eine niedrigere Arbeitslosenquote, von durchschnittlich 2,8 Prozent gegenüber 5,5 Prozent in anderen Regionen; sowie für eine höhere Ausbildungsquote, von 4,9 gegenüber 3,7 Prozent. Dadurch steigen nicht nur Produktivität, Kaufkraft und Bruttoinlandsprodukt, sondern auch die Einwohnerzahl. 

Während Gebiete mit relativ wenigen Familienunternehmen mit Landflucht vor allem junger Menschen zu kämpfen haben – 2,6 Prozent der Bevölkerung wandern ab –, wächst die Bevölkerung von ländlichen Räumen mit vielen Familienunternehmen um zwei Prozent. Schließlich verbessern sich auch die kommunalen Finanzen. In den Gegenden mit den meisten Familienunternehmen ist die Verschuldung um elf Prozent niedriger als in solchen mit weniger familiengeführten Betrieben.

Stefan Heidbreder, Geschäftsführer von der Stiftung Familienunternehmen, kommt zu dem Schluss, dass diese Betriebe in Regionen abseits der Metropolen wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität garantieren. Deutschland habe im Vergleich zu anderen Ländern eine besondere, dezentrale Unternehmenslandschaft. In vielen traditionell landwirtschaftlich geprägten Gegenden finden sich heutzutage sogenannte „Hidden Champions“, also Weltmarktführer in technologischen Nischen. Die Dax-Konzerne konzentrieren sich hingegen nach wie vor auf die Großstädte.

Um für gleichwertige Lebensbedingungen im ganzen Land zu sorgen, sei die Politik auf Familienunternehmen angewiesen. Sie müsse deshalb die Rahmenbedingungen wie Infrastruktur, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen auch jenseits der Großstädte verbessern. 

Laut einer repräsentativen Befragung der Stiftung Familienunternehmen, an der sich mehr als 2.400 Familienunternehmen beteiligten, fordern neun von zehn Unternehmen eine dringende Verbesserung der digitalen Infrastruktur. „Dadurch würde sie die dezentrale Struktur der deutschen Wirtschaft stärken sowie die Krisenresilienz erhöhen“, sagt Heidreder. 

IHK OBB | 11/2020

 

 

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